Zwischen Realität und Rechtslage
imho | Einer der besten Filme, der meiner Meinung nach je gedreht worden ist, ist High Fidelity. Dass die Grundlage dafür eins der besten Bücher war, das je geschrieben wurde, muss ich eigentlich nicht extra erwähnen.
In dem wunderbaren Plattenladen jedenfalls, in dem ein großer Teil einer der besten Geschichten, die sich je jemand ausgedacht hat, stattfindet, gibt es ein Spiel zwischen dem wunderbaren Jack Black und dem wunderbaren John Cusack das darin besteht, für alle möglichen und unmöglichen Anlässe, Rubriken oder Lebensereignisse eine persönliche Top-Five-Liste zu erstellen. Grandiose Idee, Herr Hornby!
So grandios, dass mich dieses Konzept, das Musik und Leben sozusagen fusioniert, bis heute nicht mehr losgelassen hat. Seit damals träume ich ihn also, den Traum vom Musikblog.
Warum eigentlich nicht?
Ich hab mehrmals irgendwie, irgendwas angefangen, wieder verworfen, Konzept geändert, in Anfällen von Panik Content gelöscht und am Ende doch immer wieder den Stöpsel gezogen.
Warum? Weil ich gerne, wenn es sich irgendwie vermeiden lässt, nicht gegen bestehendes Recht verstoßen will. So bin ich einfach. Vielleicht ist das ein Stück weit übertrieben und uncool, aber das Risiko geh ich ein. Bisher war also die einzige Lösung für mich, mich aus der Sache rauszuhalten. Dann kam simfy und ich hab mich gefreut. Ich hab mich sogar so gefreut, dass ich direkt zahlendes Mitglied geworden bin und auf einmal rückte das Projekt Musikblog endlich in greifbare Nähe.
Voll motiviert hab ich mir drei Freunde mit ins Boot geholt und begeistert eine neue Domain registriert. Dann ging’s auch schon los mit den ersten Rückschlägen. Nein, simfy erlaubt kein Einbetten von Liedern, das war nur eine vorübergehende in Facebook verfügbare Funktion. Also gut, dann wenigstens verlinken, was, nicht alle Lieder sind für nicht-zahlende Hörer verfügbar? Schade eigentlich. Aber gut wie oft wird das vorkommen, dass wir uns ausgerechnet ein Lied aussuchen, für das sich weder ein legaler youtube-Link, einer von der Plattenfirma oder Künstlerwebseite finden lässt und das dann auch noch durch das simfy-Raster fällt. Bis vor zwei Stunden hab ich es noch geschafft mir blauäugig einzureden, dass ich dieses Mal nicht vor den immensen Einschränkungen kapitulieren werde, die dadurch entstehen, dass, wenn man Musik gerne mag und einen diese in allen Lebenslagen begleitet, man eben nicht einen eingebauten Filter hat, der es einem erlaubt nur die Sachen bahnbrechend und lifechanging zu finden, die copyright-free sind oder zumindest irgendwo legal gestreamt werden können.
Ja, warum nicht?
Ich weiß, es gibt Millionen von Bloggern, denen ist das alles völlig Schnuppe. Die laden fröhlich Lieder auf Tumblr hoch und betten Youtube-Videos aus Accounts ein mit lustigen Namen, die relativ klar darauf hindeuten, dass es sich hier nicht um die Plattenfirma handeln kann.
Warum machen die das? Ganz einfach, weil es geht. Die Realität sieht nun mal so aus, dass es technisch und auch von der Verfügbarkeit möglich wäre, jedes Lied direkt auf meinem Blog zu streamen. Und ja, wenn ich einen Blogpost über Musik lese, will ich mir die direkt anhören und nicht erst ein zweites Fenster öffnen oder den Titel selber googeln.
Und hier ist er auch schon, der Moment wo der Frosch ins Wasser springt, wo sich die Katze sozusagen in den Schwanz beißt. In der Regel kostet es mich 10 Sekunden irgendein Musikstück in die Suchmaschine meiner Wahl einzugeben und es mir irgendwo im WWW anzuhören. Musik ist online verfügbar. Das ist Fakt.
Ob das in jedem oder sogar in den meisten Fällen konform ist mit der geltenden Rechtslage, ist sicherlich fraglich, das will ich keinesfalls abstreiten. Worüber es sich allerdings sehr wohl streiten lässt ist, was überhaupt die Rechtslage darstellt. Das kann nämlich niemand mit Sicherheit sagen. Die Realität hat sozusagen die Rechtslage überholt. Irgendwie will sich die Rechtslage aber der Realität nicht anpassen, da wird vielmehr versucht die Realität mit Abmahnungen und Co. Gewalt an die Rechtslage anzupassen.
Es gibt zig Ideen, wie man mit der veränderten Situation und deren Auswirkungen für Künstler umgehen könnte. Kulturflatrate und wie sie sonst noch heißen. Irgendwer hat irgendwie vermutlich ein relativ großes Interesse daran, dass alles so bleibt, wie es ist wieder so wird, wie es war. Also kann man sich entweder selbst zensieren und nur über Content schreiben, der entweder frei verfügbar ist, oder für den sich ein legaler Link finden lässt, oder man sucht sich mit etwas Glück nur Künstler raus, die selber oder wohl eher deren Plattenfirmen ein Auge zudrücken oder man lässt es eben bleiben.
Wie? Jetzt trotzdem?
Bis vor zwei Stunden also war ich noch ein glücklicher Musikblog-Novize und hab mit Begeisterung ein Lied für den ersten Blogpost ausgesucht. Eins der coolsten Dinge, die ich je im Netz gefunden habe, sollte es werden. Ein Cover von Britney’s “Gimme More” von der wunderbaren Marié Digby (kann man mal googeln, wenn man will, lohnt sich). Nach einem Tag hab ich’s wieder runtergenommen. Vielleicht war das übereilt und auch unnötig und möglicherweise auch uncool. Aber egal ob Justin Bieber seine steile Karriere Covern zu verdanken hat, die ihn auf Youtube bekannt gemacht haben und auch egal, ob unzählige Musiker unzählige Interpretationen bekannter Musikstücke auf einer Plattform veröffentlichen, die wenn sie wirklich hundertprozentig konform mit der Rechtslage operieren würde, im Grunde niemanden interessieren würde. Ohne das Einverständnis des Urhebers sein Werk aufzuführen bzw. aufzunehmen (hier befinden wir uns mal wieder in einer ungeklärten Grauzone) ist eine Urheberrechtsverletzung. Wenn ich ein solches Video einbette oder auch darauf verlinke, verstoße ich gegen die Rechtslage. Da beißt die Maus keinen Faden ab. Ich möchte einfach keinen nicht-/un-/il-legalen Content auf meinem Blog haben. Also wird es wohl keine Coversongs auf dem Musikblog geben. Schade eigentlich.
Den Blog wird’s allerdings schon geben, irgendwo zwischen Realität und Rechtslage. Ich hoffe und bedauere auch ein bisschen, dass er weitaus näher an der Rechtslage als an der Realität existieren wird. Ich hoffe, wir werden trotzdem mindestens genauso coole Musik-Debatten haben wie Jack Black und John Cusack, aber da mach ich mir eigentlich keine großen Sorgen.
I know what you did last Christmas

oben: Kinder-T-Shirts bemalt/bedruckt mit Freezerpaper Stencil/Stempel, Stoffkissen
unten: Tote Bag (auch Freezerpaper), Turnbeutel bestickt
Kann ich kurz eure Hände sehen???
feat. bbyeah | Ja bitte, sehr gerne auch länger! Es war mal wieder soweit: die Beatsteaks kehren exakt auf den Tag genau nach vier Jahren auf die Bühne der proppenvollen Fürther Stadthalle zurück. This is atomic love! schreit Arnim ins Mikro während er in seiner roten Wollmütze auf die Bühne tanzt. Eingekleidet in eine Häuserzeile spielen die Fünf einen Knaller nach dem anderen, ein Potpourri aus alten und neuen Beats erfüllt alle Wünsche und Erwartungen des Besuchers. Zum Tanzen, Springen und Mitgröhlen perfekt. Let´s have a party denkt man sich und ist ein wenig enttäuscht, wenn man den Blick von vorne nach hinten schweifen lässt. Während vorne die Kuh fliegt, reihenweise Oberkörper ihre T-shirts verlieren, hat man den Eindruck, als fänden die hinteren Reihen einen Sitzplatz auch nicht ganz uncool. Sehr undankbar, weil die Fünf entertainen ohne Ende, zappeln und schwitzen und sich wirklich allergrößte Mühe geben. Zwei Wachsfiguren vor mir nicken nach fast einer Stunde Stillstand mit verschränkten Armen endlich dreimal zu Milk & Honey und verlassen dann das Geschehen, was mir allerdings endlich gute Sicht verschafft. Kurz vorher erhält ein pöbelnder Fan von der bezaubernden Oberbulette höchstpersönlich einen Platzverweis und verpasst somit die letzte halbe Stunde des Konzerts. Hat wahrscheinlich gewusst, dass die noch mal richtig anstrengend wird.
Nach eineinhalb Stunden hat der Puls die gesunde Obergrenze erreicht und es ist Schluss. Auch das x-te Beatsteakskonzert und die x-te Hinsetzaktion während Let me in zaubert mir ein zufriedenes Lächeln ins Gesicht. Insgesamt ein kurzes, aber dennoch spitzenmäßig gelungenes Konzert, trotz schlechter Sicht und noch schlechterer Akustik in den hinteren Reihen, Sauna mit Bieraufguss und Tucher-Bier. Man muss die Jungs einfach lieben, in jeder Halle. I don´t care as long as you sing. Danke für den schönen Abend. Jut jemacht.
Props für diesen fulminanten guest post gehen raus an bbyeah!
Next thing we’re touching
Jukebox | Heute mag ich Ellie Goulding (listen at simfy | website | myspace). Wegen ihrem extrem coolen Haarschnitt, wegen ihrer süßen Stimme und vor allem wegen ihrem zauberhaftem Sound.
Song-Crushes: Guns and Horses, Starry Eyed, The Writer
Eignes Werk ist Goldes wert
Lesen bildet | Ich weiß nicht so recht warum, aber in der Regel find ich nix am Zeitungskiosk. Ich bin irgendwie einfach nicht die Zielgruppe von Frauen-, Eltern-, Nachrichten-, Computer- und Lifestylemagazinen. Klar gibt’s immer den ein oder anderen Artikel, der mich interessieren würde, aber man kauft so ein Magazin ja nicht seitenweise, und regelmäßig mit nem Stapel von 5 Zeitschriften aus dem Laden zu kommen, ist auf Dauer auch keine Lösung. Was ich allerdings immer schon sehr gern gelesen hab, sind Selbermachanleitungen aller Art. Wenn irgendwo D.I.Y. draufsteht, ist das Heft also quasi schon gekauft.
Gott sei Dank gibt’s mittlerweile die ein oder andere Ideenschmiede, die sich auf wundersame Weise ausgerechnet mich als Zielgruppe ausgesucht hat. Eine davon ist die Redaktion vom Eigenwerk-Magazin. In der aktuellen Ausgabe findet sich alles, was man schon immer über Stoff wissen wollte. Vom Einsteiger-Nähbuch-Test über Nähwerkzeug, den obligatorischen Anleitungen (yay!), informativen Interviews bis hin zu Shoppingtipps. Ich bin begeistert und freu mich schon auf die nächste Ausgabe, die sich nach Faden (Nr. 1), Erde (Nr.2) und Stoff (Nr.3) rund um das schöne Material Holz drehen wird.
Magazin | Webseite | Twitter | via schnittchen
Ich war mal ne s.Oliver-Tüte
Booyah! | Mit stolz geschwellter Brust präsentiere ich meinen ersten Angeber-Ich-hab-was-selbstgemacht-Post.
Die Materialauswahl ist eventuell noch etwas suboptimal, war zwar die stärkste Plastiktüte, die ich in meinem ausufernden Fundus hatte, aber ich bin mir trotzdem nicht sicher, was die so alles mitmacht.
Ansonsten gibt’s noch reichlich Luft nach oben was meine Nähtechnik angeht. Vor allem die richtige Fadenspannung zu finden geht immer nicht gut zusammen mit meiner aufgeregten Ungeduld: “Menno, ich will jetzt sofort wissen, wie das Ding am Ende aussieht, ich kann auf keinen Fall erst mit 15 Materialproben rausfinden, wie die beste Einstellung ist!” – Verständlich, oder?
Naja für einen ersten Prototypen reichts und bis die schlechtfadengespannten Nähte ihren Geist aufgeben, hab ich vielleicht auch ein geeigneteres Material gefunden. Ich kann schließlich nicht jede Woche ne Winterjacke bei s.Oliver kaufen nur damit ich ne neue große Tüte krieg.
Ich will nicht nach Berlin!
imho | Ich war vor 2 Jahren das erste Mal bewusst in der Hauptstadt und als ich an der Oderberger Straße/Ecke Kastanienallee stand, hatte ich auf einmal so ein ganz seltsames Gefühl von Heimat. Da hab ich dann glaub ich irgendwie verstanden, warum alle so begeistert sind von Balin, wa.
Wahrscheinlich ist es ganz einfach so, dass in einer derart geräumigen Stadt jeder ein Eckchen findet, wo Leute wohnen, die grob so ähnlich drauf sind wie man selber. Klar, trifft man dazwischen auch den ein oder anderen Styler, der erst mal noch rausfinden muss, wer er eigentlich ist und in der Zwischenzeit einfach mal beim aktuell als am hippsten definierten Personenkreis zur Untermiete einzieht. Aber ich finde, solche Leute sollte man erstens nicht überbewerten und ihnen zweitens mit Toleranz begegnen – wenn wir ehrlich sind, waren wir über kurz oder lang alle mal so.
Doch auch wenn andere Städte schei*e sind
Ich bin nach zwei Tagen wieder nach Hause gefahren und hab mir auf der Autobahn dann die Frage gestellt – Verdammt, will ich vielleicht doch nach Berlin? 372 Kilometer lang hatte ich Zeit darüber nachzudenken und am Ende, also ungefähr kurz vor der letzten Autobahnausfahrt, ist mir plötzlich völlig klar geworden – Berlin will mit zu mir. Und weil ich ein durchaus gastfreundlicher Mensch bin, hab ich direkt eine Einladung ausgesprochen. Momentan denkt Berlin tatsächlich darüber nach, einen Zweitwohnsitz hier anzumelden.
Und ich damit komplett alleine bin
Wenn wir endlich aufhören, sehnsuchtsvoll gen Mitteldeutschland zu spähen und wehmütig zu werden beim Gedanken an all die wahnsinnig coolen Läden, Clubs, Design-Shops, Flohmärkte, Cafés und Selbermachtreffs, sondern uns stattdessen am nächsten Winterkiosk, Mädchenflohmarkt oder fairkleiden einfach mal Ecke Oderberger Straße/Kastanienallee treffen, wird das vielleicht echt was mit dem Berliner Zweitwohnsitz direkt vor der Haustür.
Auch wenn da alle meine Freunde sind
Ich glaube fest daran, dass man nicht auswandern muss, um was Cooles auf die Beine zu stellen.
Ich kann sie auch echt nicht mehr hören, die Platte mit dem Sprung “Hier ist alles doof, in Berlin ist alles besser!”. Wenn alle, die ne gute Idee haben, in die Hauptstadt abhaun, kann’s ja nie anders werden, oder?
Passend zum Thema, weil ich meine Überschriften draus geklaut hab und auch weil man nicht oft genug drauf hinweisen kann, wie grandios die Jungs sind: Krafklub – Ich will nicht nach Berlin.













leave a comment