Hi Kids, ich bin Carlo
live | Genau, der Typ mit der putzigen Pandamaske. Also vorneweg muss ich direkt mal feststellen, dass das glaub ich die krasseste Crowd war, in die ich mich je auf einem Konzert verirrt hab. Die sind schon bei der Vorband sowas von mitgegangen, hui. Nee, war nett, also alles so, der Raoper (das spricht sich Rei-op, hab ich gelernt), die Mukke, die Bühnendeko, die Show. Ich hab nur wiedermal deutlich gemerkt, dass ich einfach nicht mehr Teil der Jugendbewegung bin. Zum einen daran, dass ich nicht kreischend ausflippen wollte, wann immer Cro den Mund aufgemacht hat, zum anderen, weil ich mich vom Altersdurchschnitt wohl eher ins Kontingent der begleitenden Eltern einsortieren hätte müssen. Ist jetzt durchaus ein komisches Gefühl und wirft so die ein oder andere Frage auf. Soll ich mich zukünftig auf mein altgedientes Musikinventar beschränken, das mich nun gut und gerne zwei Jahrzehnte durchs Leben begleitet und dessen Protagonisten mittlerweile auch schon deutlich jenseits der 30 operieren? Oder einfach nicht aufs Konzert gehen? Oder eben beschließen, dass das schon ok ist, sich mal einen Abend lang in einem Pulk von Teeniemädels aufzuhalten. Gut hat auch seine Vorteile, die Sicht war zum Beispiel recht uneingeschränkt.

Jetz mal im Ernst, ich mag die wirklich richtig gern, die Musik von Cro. Ich bin Hip Hop-Fan und ich freu mich, dass nach den ganzen Aggro-Ghetto-Rappern mal wieder ein bisschen positive Leichtigkeit am Start ist. Ich finde das hat dem deutschen Hip Hop immer gut getan, wenn die versucht haben, nicht so zu tun, als würden sie täglich Suchtmittel in dunklen Straßenecken verkaufen müssen, um sich überhaupt irgendwie über Wasser zu halten im Sozialstaat. Ich will jetzt nicht sagen, dass die Sido-Nummer nicht ihre Berechtigung hat und klar gibts auch in diesem Land Chancenungleichheit und damit einhergehenden Unmut aller Art. Ich find trotzdem, Hip Hop geht auch gut ohne Ghetto.
Hip Hop geht scheinbar auch immer gut als Crossover. In den glorreichen Neunzigern – auch ein deutliches Zeichen, dass man tatsächlich erwachsen geworden sein muss, wenn man immer das Jahrzehnt seiner Jugend abfeiern will – gabs einen ziemlichen Hype um Crossover, was damals bedeutet hat Rap-Passagen in Punk oder Metal einzubauen. Das fand ich richtig super, ich sag nur mal eben “F U, I won’t do what you told me”. Das war doch mal was, oder? Jetz holt man sich also andere Genres in den Hip Hop rein, Kraftklub so Gitarren-Indie-Zeugs und Cro eben Popmusik. Funktioniert sehr gut und wirkt – auf mich zumindest – irre innovativ. Also überrascht mich jedes mal wieder, dass da echt noch was am Musiklandschaftshorizont auftauchen kann, was mich völlig mitreißt. So sehr, dass ich sogar für das Live-Erlebnis die kreischenden Teeniemädels in Kauf nehmen will. Also ich will jetzt hier auf keinen Fall Teeniemädels dissen, ich war ja schließlich selber mal eins, wenn auch kein kreischendes. Aber ja auch ich hatte eine Phase wo ich jeden Dienstag pünktlich um 19:22 vor dem Fernseher saß und mit offenem Mund Knight Rider gekuckt hab und auch ich bin mal mit erwachsener Begleitperson losgezogen und hab mir den Hoff live und in Farbe angekuckt. Wenn man innen drin ist im Teeniemädchen, dann macht das auch alles sehr viel Sinn und fühlt sich irgendwie super an. Die Boygroup-Phase hab ich ausgelassen. Wenns damals nen putzigen Pandamasken-Rapper gegeben hätte, vielleicht wär ich dann auch kreischend in der ersten Reihe gestanden, man weiß es nicht. Was ich weiß ist, Cro und sein Raop ist für mich bis auf weiteres das Hip Hop-Album des Jahres, sollte man sich durchaus mal anhören, auch wenn man in den Neunzigern jung war.






schöner Artikel =)
ich mag Cro trotz der vielen Kritik, die er erntet auch gern – Raop war auch eines der Alben des letzten Jahres für mich – und ich bin auch keine 16 mehr
aber, wie du bereits richtig erwähntest: inmitten kreischender Teenies stehen hat wenigstens deutliche Sichtvorteile ;)
lg
Ach, is immer schön zu hören, dass man nicht allein is auf der Welt mit seiner Meinung. Dankeschön!